Riesengeschäft Summer Camps in Amerika

Yann - Summer Camps in Amerika

 Summer Camps in Amerika

In einer Woche ist es soweit: Ferienzeit in Maryland. Erst am 29. August gehen die Kinder wieder zur Schule. Dazwischen zehn lange Ferienwochen. Letztes Jahr hatte mein Post über Summer Camps in Amerika viele Besucher. Zeit also, ein Update zu bringen.

Der Markt für Ferienbetreuung ist ein Riesengeschäft in den USA. Eine Woche Summer Camp kostet zwischen 200 und 500 $. Bei zehn Wochen Ferien, und weil die Amerikaner wenige Urlaubstage haben, müssen Familien tief in die Tasche greifen. Bei uns liegt das Budget für sechs Wochen Summer Camps und zwei Kinder bei 4.500 $.

Ein Länder übergreifendes Thema

Sowohl in den USA als auch in Frankreich und Deutschland, ist die Frage “Was machen die Kinder im Sommer?” ein immer wiederkehrendes Thema. Es ist nicht so, dass ich meine Kinder nicht liebe! Und auch nicht so, dass meine Kleinen mich nicht lieben! Nur mögen sie es nicht den ganzen Sommer mit mir zu hocken. Ich spiele nicht den ganzen Tag mit ihnen, schließlich muss ich im Sommer auch arbeiten! Und ich bin nicht mal ansatzweise so glücklich mit Turnen, Springen, Rennen, Verstecken wie sie. Und ich sehe auch nicht ein, dass sie den ganzen Tag vor dem Computer oder Fernsehen verbringen. Fazit: Ich bin für meine Kinder einen Spielverderber.

Auf der anderen Seite haben Eltern schlicht und einfach weniger Urlaub als Kinder. Die Regel ist sechs Wochen in Deutschland und fünf in Frankreich. In den USA sogar noch weniger. Ich habe ausführlich über die USA in diesem Post berichtet. In der Zeit, wo wir arbeiten, müssen wir die Kinder unterbringen.

Hier in Amerika gehen Kinder in die „Summer Camps“.

Summer Camps stellen Familien vor einer finanziellen Herausforderung

– Die Regelzeit bei einem Camp von 9:00 bis 16:00 reicht nicht aus, um ein kompletter Arbeitstag abzudecken. Die gute Nachricht ist, dass eine Betreuung vor 9 und nach 16:00 angeboten wird. Die schlechte Nachricht: es kostet extra. Rechnen Sie für die Nachmittagsbetreuung mit 55$ (YMCA) pro Woche und Kind zusätzlich. Wenn Sie die Kinder vor 9:00 bringen wollen, kommen noch mal 50$ (YMCA) oder 130$ (Norwood Summer) dazu.

Eine Ausnahme bildet hier die Französische Schule. Ihre Camps fangen um 8:30 an und enden um 17:30.

– Der Preis wird nach dem Verhältnis Kinder pro Betreuer gerechnet. Je weniger Kinder pro Betreuer, desto teurer. Der YMCA (ja, ja, der aus dem Lied von Village People!) hat einen höheren Ratio und ist relativ günstig.

– Der durchschnittliche Preis einer Woche liegt bei ca. 300 $ für einen einfachen Camp. Dazu zähle ich den YMCA.

– Kinder mit einer besonderen Leidenschaft und besser verdienenden Eltern können zu speziellen Camps gehen. Da kostet aber die Woche ca. 500 $. Beispiel: Musik, Golf, etc.

– Ein Summer Camp in Amerika mit Übernachtung kostet 1.000 $ und mehr pro Woche.

– Eine letzte gute Nachricht für amerikanische Steuerzahler (heißt, für diejenigen die Steuer in den USA zahlen): die Kosten sind in der Regel absetzbar!

Summer Camps sind auch eine organisatorische Herausforderung

– Der frühe Vogel fängt den Wurm! Die guten oder günstigen Camps sind schnell ausverkauft. Die Smithsonian Museen in DC organisieren die populärsten Summer Camps der Hauptstadt. Diese sind dann fast am selben Tag ausverkauft.

– Kinder müssen zum Camp gefahren werden. Die netten gelben Schulbussen, die morgens die Kinder quasi vor der Haustür abholen und zur Schule fahren, machen auch Urlaub. Also, lieber Plätze für alle Kinder im gleichen Camp finden, sonst wird es wirklich kompliziert.

– Zum Thema fahren: ich wohne in einem Vorort von Washington. Der Verkehr Richtung DC ist höllisch! Das grenzt definitiv die Wahl ein und trägt gleichzeitig zum Budgetgau. Je netter der Vorort, desto teurer der Camp!

Essen nicht inklusive! Den Sommer lang werde ich morgens zwei Lunch Boxes vorbereiten und Abends warm kochen. Die Auswahl ist auch massiv eingegrenzt: Kinder können kein fertiges Essen Erwärmen, sie dürfen auch kein Obst und nur wenig Grünkost mitbringen (nur die, die nicht matschig werden können…).

Qualität der Summer Camps in Amerika

Ich möchte nicht verallgemeinern. Schliesslich habe ich bisher nur um drei Sommer in Amerika verbracht!

Letztes Jahr hatten Yann und Pauline die Summer Camps beim YMCA verbracht. Ich war nicht begeistert. Meine Kinder auch nicht. Es war praktisch, weil nah zum Büro, und meine Kinder kannten die Einrichtung, weil sie dort Schwimmunterricht haben. Aber Yann und Pauline waren nach nur wenigen Tagen erschöpft. Es geht beim YMCA dabei, die Kinder rund um die Uhr zu beschäftigen, und das war zu anstrengend für meine 4-jährige Tochter und 5-jährigen Sohn.

Meine Stiefkinder haben aber ihre Zeit beim YMCA genossen. Sie sind aber älter (10 und 12) und hatten spaßige Auswärtsprogramme. Wie auch immer, ich habe dieses Jahr keine der Kinder beim YMCA angemeldet.

Das große Business rund um die Summer Camps in Amerika

Amerikaner arbeiten mehr als Europäer. Das stellt die International Labour Organization in diversen Präsentationen fest. Da spielt auch die Mentalität eine große Rolle. In den USA, stehen Leistung und beruflicher Erfolg weit oben in der Skala der persönlichen Selbstverwirklichung.

In 70% der amerikanischen Familie arbeiten beide Elternteile. Weil Amerikaner im Durchschnitt nicht so viel verdienen, haben viele einen zweiten, manchmal sogar einen dritten Job, der Kosten für Gesundheit und Ausbildung decken soll.

Die Schulferien im Sommer sind sehr lang in den USA. Freunde in Austin, Texas, haben es noch schwerer. Die Schule ging schon am 2. Juni zu Ende. Erst am 22. August geht es wieder los. Zu den zehn oder elf amerikanischen Ferienwochen stehen acht Wochen in Frankreich und sechs Wochen in Deutschland gegenüber.

Nächstes Jahr wollen wir den Sommer in Europa verbringen. Mal schauen, ob ich meine Kinder in einem deutschen Kinderferienprogramm anmelde. Ihre Deutsch-Kenntnisse auffrischen und dabei Spaß haben, das wäre doch was.

Photo credit: HowToGuide

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3 Comments

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  1. says: Carola

    Sehr guter Artikel! Ich habe auch darüber nachgedacht, meine Kinder in ein Sommercamp zu schicken, aber aufgrund des Preises und der Aktivitäten hier in den USA kein Geeignetes gefunden.

  2. says: Evelyne

    Interessanter Artikel! Du sprichst mir aus der Seele. Musste mich auch erst an das Tagescamp-Programm bzw an das Organisieren des ganzen Sommers (und dies bereits im Frühling!) gewöhnen. Schade sind die Camps ziemlich teuer (vier Wochen Camp für vier Kinder kommt uns locker auf USD 3300), ansonsten finde ich es eine tolle Sache.

    1. says: Catherine

      Ein Leser auf LinkedIn hat einen Punkt erwähnt, den ich vergessen habe: die Kirchen organisieren auch Summer Camps, meistens günstiger. Leider ist meine Gemeinde zu klein dafür; und hier in Bethesda ist es trotz Kirche immer noch teuer. Aber es sollte nicht unerwähnt bleiben.